Donnerstag, 31. Juli 2014

Avantgarde von Frau zu Frau

ROSIE ASSOULIN SERVIERT FEMININEN GALERISTENCHIC FRISCH AUS NEW YORK
Rosie Assoulin Resort 2015
Wenn die weibliche Emanzipation dieses Jahrtausends eine Modemarke wäre, dann würde sie Rosie Assoulin heißen. Allein dieser Name! Wer auf solch melodische Wörter hören darf, ist gerade dazu verpflichtet, an die Öffentlichkeit zu gehen. 2013 wagte die New Yorker Modeschöpferin mit einem abgebrochenen Studium am Fashion Institute of Technology sowie Stationen bei Oscar de la Renta und Lanvin auf dem Lebenslauf den Schritt in die Selbstständigkeit. Seitdem staunt die amerikanische Modewelt über die bemerkenswerte Schneiderkunst der Autodidaktin: aus feinsten italienischen Baumwollzwirnen schafft Rosie Assoulin drapierte Tuniken mit Schleppe, Anzughosen mit Schößchen, luftige Lolitatops und raffiniert geschichtete Abendroben. Alltagstaugliches wie Mondänes, Sportliches wie Verspieltes, eben Kleider, die in ihrer perfekten Komposition und Reduktion auf das Wesentliche eine überraschende Einfachheit und Tragbarkeit offenbaren.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Ein Bild verkauft mehr als tausend Worte

INSTAGRAM IST DIE NEUE DAUERWERBESENDUNG 

Kürzlich erreichte mich eine Email aus Australien. "Dear Clairette", hieß es da, "we came across your Instagram account. We would love to send you a Bikini." Toll, dachte ich, ein Gratis-Badeanzug, und das nur, weil ich gelegentlich ein Bild von einem Swimming Pool oder meiner Fratze hochlade. Ich las weiter:"Please choose your favourite style. We would love for you to post a picture of the Bikini, but no pressure."

Ah ja. Natürlich. Die Dauerwerbesendung ist ja leider ausgestorben, oder zumindest auf unbeliebte Kanäle zu noch unbeliebteren Sendezeiten verbannt worden. Stattdessen generieren Firmen nun über Instagram das Millionengeschäft - mit einer gemeinen Tücke: während die Dauerwerbesendung klar als Verkaufsplattform gekennzeichnet ist, tut Instagram weiterhin so, als sei es bloß der virtuelle Treffpunkt von Freunden und Fans; eine feine Möglichkeit, seinen Bekannten über Bilder statt Worte mitzuteilen, was man gerade Spannendes erlebt.

Montag, 28. Juli 2014

Über Taillenshorts

UND WARUM FRAUEN HEUTE NICHT MEHR WIE BRITNEY SPEARS AUSSEHEN
Letzten Samstag war ich auf einer typischen Berlin-Party, also einer Party, auf der viele Leute herumlaufen, die genau so aussehen, wie man sich Berlin vorstellt: betont lässig, aber insgeheim gestylt. Das ist, nebenbei bemerkt, die modische Übersetzung von Wowereits mittlerweile doch ziemlich abgedroschenem "arm, aber sexy". Als es drinnen irgendwann zu schwül und rauchig wurde, um noch vernünftig atmen zu können, floh ich nach draußen und setzte mich auf einen umgedrehten Bierkasten. Aus dieser mittleren Froschperspektive lässt sich das Treiben einer Partygesellschaft sehr gut beobachten.

Samstag, 26. Juli 2014

Notizen zu La dolce vita

AUFGEZEICHNET AM LAGO DI GARDA

Das Foto, das wir hier sehen, sagt viel aus über das Land Italien. Ich habe es neulich in Gargnano am Gardasee aufgenommen. Gargnano ist ein wahres Juwel unter den vielen Ortschaften, die sich am Ufer des petrolblau funkelnden Sees aneinander reihen.  Malerische Häuserfassaden, eine richtig gute Eisdiele, ein Rathaus, ein Sternerestaurant, zwei Luxushotels, und trotzdem kaum Touristen. So etwas gibt es nicht oft in dieser Gegend, die manchmal als 18. Bundesland der Deutschen bezeichnet wird - nach Mallorca.

Was also sehen wir auf dem Foto? Rechts eine antike Fassade mit Spitzgiebeln über den Fenstern, verschnörkelten Gesimsen, einer schmucken Balustrade, vielleicht war das mal die Datsche eines römischen Konsuls, wer weiß. Links ein Geschäft mit heruntergelassenen Jalousien. Dazwischen dieser fantastische Wuchs pinkfarbener Bougainvillea, der die Abgrenzung zwischen beiden Fassaden, der herrschaftlichen und der schläfrigen, verschwinden lässt.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Wie wär's mit einem Taucheranzug?

DIE MODISCHE ANTWORT AUF DIE SOMMERHITZE

Sobald die Temperaturen über 30 Grad steigen, fängt mein Kopf an zu dampfen und ich komme auf lustige Ideen. Heute zum Beispiel: was haben Bond Girls und das Sams gemeinsam? Richtig, den Taucheranzug. Claudine Auger trug ihn 1965 in Nassau anlässlich der 007-Folge Feuerball, und auch wenn es schlussendlich Halle Berry (Stirb an einem anderen Tag) gewesen sein muss, die sich im orangefarbenen Bikini mit integriertem Messergürtel für alle Zeiten den Titel der Sexiest Badenixe Alive sicherte,  wollen wir auch dem Taucheranzug an dieser Stelle endlich einmal den gebührenden Tribut zollen.

Meiner Ansicht nach wird dieses Kleidungsstück grundlegend unterschätzt. Im Alltag der emanzipierten Frau des 21. Jahrhunderts kommt der Neopren-Strampler nicht vor, und das ist tatsächlich merkwürdig, wenn man bedenkt, dass es noch jeder andere einst als faux pas und völlig verboten bezeichnete Zwirn - von der Fetzenjeans über die Adilette bis zum Sport-BH - auch irgendwann mal auf's internationale Parkett der Modewelt geschafft hat. Warum nicht der Taucheranzug?