Samstag, 30. August 2014

Von Balenciaga inspiriert: das Ärmel-Bustier

UND JETZT BITTE LUFT ANHALTEN UND ARME EINZIEHEN
Wenn man in Berlin gepflegt ausgehen will, dann sollte man dafür sorgen, so heruntergekommen wie möglich auszusehen. Ich war noch nie im Berghain, aber allüberall wird ja berichtet, dass der-/diejenige mit den fettigsten Haaren und den schwärzesten Klamotten dort am ehesten die Tür passieren darf. 
In New York ist es genau anders herum. Die New Yorker bevorzugen es eher gestriegelt, und wer da nicht mitmachen will, der darf ohne Cocktail nach Hause gehen. Gestern war ich aus Versehen im Finale, das ist ein Club in der Bowery. Ins Finale kommt man nur rein, wenn man erstens einen sogenannten Promoter kennt, also einen Typen, der dafür bezahlt wird, dass er Blondinen und andere halbwegs attraktive Frauen in die Diskothek schleust. Das klingt wie Prostitution und ist es in meinen Augen auch, aber dazu an anderer Stelle mehr. Zweitens ist ein betörendes Outfit essentiell, allein deshalb, weil man in Turnschuhen höchstwahrscheinlich gleich für ein underaged undergraduate student gehalten wird. 

Natürlich hatte ich gestern Turnschuhe an.

Mittwoch, 27. August 2014

Musikrubrik #34: Ich bin jetzt in New York

UND ZIEMLICH SPRACHLOS VOR EUPHORIE
Ich bin jetzt in New York. Keine 48 Stunden sind vergangen, seitdem ich aus dem Flugzeug stieg, und schon jetzt träume ich heimlich von einer Green Card. Heute morgen bin ich um halb sechs aufgewacht. Der Jetlag hält sich hartnäckig, ebenso wie die überraschende Spätsommerhitze, bei der sich die Bettruhe in einer 10-Quadratmeter-Butze ebenfalls eher schwierig gestaltet. Weil ich nicht mehr schlafen konnte, habe ich meine Turnschuhe angezogen und bin laufen gegangen. Die South 6 Street im Süden von Williamsburg führt hinunter zum East River. Über meinem Kopf donnern Autos und Züge über die Williamsburg Bridge. Hinter einem Brückenpfeiler erspähe ich das Empire State Building. Ich laufe die Kent Street Richtung Norden hinab, parallel zum Fluss. Bei der Music Hall biege ich links ab. Laufe an einer Soul Cycle Filiale vorbei, dort, wo man für 32 Dollar pro Stunde die New Yorker Trendsportart Fahrradfahren mit Bewusstseinserweiterung ausprobieren kann. Und stehe plötzlich direkt am Wasser. Vor mir erhebt sich die Skyline der Stadt. 

Freitag, 22. August 2014

Die lustigsten Modefilme der Saison

WÄREN MAL EIN UNTERHALTSAMES FERNSEHPROGRAMM
"The Sun City Poms" von Danielle Levitt








Freitagabend läuft nur Blödsinn im Fernsehen. Das war schon immer so. Heute im Angebot: "Tod an der Ostsee", "Der Staatsanwalt", "Haruka und der Zauberspiegel". Ich gehe Freitags selten aus. Freitag ist die Atempause zwischen Donnerstag und Samstag. Die arbeitende Bevölkerung frequentiert am Freitag lieber das Sofa als die Tanzfläche.  Heute ist auch so ein Tag. In meinem latent verstrahlten Zustand würde ich mich über ein anständiges Fernsehprogramm freuen, auch deshalb, weil ich nie Fernsehen gucke, was wiederum daran liegt, dass ich Fernsehen für Zeitverschwendung halte, weil ja nie etwas gescheites kommt, ein elender Teufelskreis, denn eigentlich würde ich wirklich gern mal wieder richtig gepflegt fernsehen, das ist irgendwie so schön old school. Allein anhand dieses diffusen Monologs dürfte deutlich geworden sein, wie dringend ich heute auf die Fernsehcouch gehöre. 

Donnerstag, 21. August 2014

Die kleine Schwester von Cartier

NINA KASTENS ENTWIRFT FEINEN SCHMUCK FÜR GUTES KARMA
Scarab Ring Rosé
Der Skarabäus ist ein interessanter Zeitgenosse. Den ganzen Tag wälzt er Kompost zu Kugeln, die er zwischen seinen Hinterbeinen rollend mit sich herum transportiert. Deshalb nennt man ihn auch den Heiligen Pillendreher, was dem Krabbeltier eine merkwürdig exzentrische Aura verleiht. In der ägyptischen Mythologie wird der Skarabäus wie eine Gottheit verehrt. Symbolisch steht er für den Kreislauf der Sonne und die Auferstehung  - und ist als glücksbringender Beschützer auch hierzulande zu einem beliebten Ziermotiv mit Aussage geworden. So auch für Nina Kastens, die gerade ihr Schmuck-Label in Hamburg gegründet hat. Der Skarabäus ist so was wie ihr signature style, ungeachtet der Tatsache, dass Skarabäen in natura keine besonders reizvolle Figur abgeben. "Eigentlich sehen die aus wie Kakerlaken", sagt Nina und lacht. Für ihre erste Kollektion hat sie sich dennoch von lebensechten Abbildungen des Skarabäus inspirieren lassen. Und mit Vergoldung und funkelnden Kristallaugen sehen die Käfer plötzlich ganz charmant aus. 

Dienstag, 19. August 2014

Oberarmtraining mit Anna Wintour

STARK IST DAS NEUE SCHICK, ODER SO ÄHNLICH
2014 ist der Sommer der Oberarme. US-Vogue-Chefin Anna Wintour ist Schuld. Im Februar brachte sie die amerikanische Fernsehikone und GIRLS-Erfinderin Lena Dunham auf das Cover ihres Magazins. Lena Dunham ist zweifellos eine tolle Frau, aber ihre Oberarme sehen unmöglich aus. Das war auch in besagter Vogue-Fotostrecke trotz sorgfältiger Retusche nicht zu übersehen. Dunhams Oberarme schauen aus wie zwei aus der Form geratene Weißbrotlaibe. Und obendrauf dieses Tattoo! Tut mir leid, aber das musste ich jetzt mal sagen.

Was ich nicht sagen will, ist, dass wir alle wie Supermodels aussehen und mit Ärmchen wie Streichhölzer herumlaufen sollen. Im Gegenteil: denn nicht nur dank der modischen Enthüllung von Dunhams Oberarmspeck, sondern auch wegen Anna Wintour selbst erleben wir in dieser Saison das Revival des upper arm. Einige Monate nach besagter Cover-Veröffentlichung trat Wintour bei den New Yorker CFDA Awards zur Laudatio für Rihanna ans Rednerpult. Sie trug ein ärmelloses Kleid, und erstmals fiel mein Blick ganz bewusst auf ihren Bizeps. Schon mal drauf geachtet? Anna Wintour hat Oberarme wie eine Reckturnerin.