Mittwoch, 22. Juli 2015

In der Ferne liegt die Wärme

CLAIRETTE MACHT FERIEN!
Das Sommerloch ist eine schöne Sache: irgendwann fallen wir alle hinein. Für mich ist es jetzt soweit. Die Urlaubsreife ist erreicht. Mein gelegentlich krankhaft anmutender Perfektionismus wollte mich eigentlich noch dazu überreden, zwischen Redaktionsarbeit bei ZEIT Online und nächtlichem Kofferpacken zwei, drei kleine Artikel für C'est Clairette aus dem Ärmel zu zaubern. Aber mein Kopf ist leer, beim Anblick des berüchtigten weißen Blatts fällt mir nichts ein außer Sandstrand und Zitroneneis, ein Zustand, der allenfalls zu albernen Überschriften und dieser Erkenntnis führt: Clairette braucht Urlaub. Am 31. Juli melde ich mich mit erfrischtem Geist und aufgeladenen Batterien zurück. Adios! 

Dienstag, 14. Juli 2015

Du kannst es tragen

WARUM MODE DIE BESTE DIÄT IST
Letzte Woche hat eine Schule in Baden-Württemberg ein offizielles Verbot von Hotpants verhängt. Das neue Gesetz, verabschiedet per Elternbrief, sieht vor, künftig alle Mädchen in kurzen Hosen zum Tragen eines überdimensionierten T-Shirts zu verdonnern.
Die FAZ berichtete. Natürlich stand die Autorin auf Seiten der armen Schülerinnen, die jetzt fortan nicht mehr in Unterhosen aus Denim herumlaufen dürfen, was zu bedauern ist, schließlich weiß ein jedes Kind:"Hotpants mögen nicht besonders elegant sein, doch in der Hitze tragen sie sich angenehm." So stand es unter dem Foto über dem Artikel. Darauf zu sehen war eine weibliche Person mit kurvigen Hüften und Beinen, die gerade so bis zum unteren Schambereich mit Stoff bedeckt waren. Ich würde diese Frau gerne fragen: Tragen sie sich wirklich so angenehm, diese Hotpants? Ich habe vergessen, wie man sich in Hotpants fühlt. Mein letztes Pobackengate ist schon eine Weile her. 

Freitag, 10. Juli 2015

Alte Stoffe, neue Kleider

WAHRE RAFFINESSE LIEGT IN DER KUNST DES GUTEN RECYCLINGS
Gestern wurde ich ertappt. Von Tim Blanks. In Berlin ist Modewoche, das ZEITmagazin hielt Konferenz im Kronprinzenpalais mit zahlreichen hochkarätigen Gästen. Der britische Modedesigner Erdem Moralioğlu war da (allerdings nur dank Christiane Arps sanfter Überzeugungskunst: "Ich musste auf ihn einreden wie auf ein krankes Pferd"), Bürgermeister Michael Müller (jetzt wissen wir endlich, wie er aussieht) und eben Tim Blanks, Editor at Large bei Style.com und einer der wichtigsten Modekritiker der Welt. Was will der eigentlich in Berlin, hatte ich vorher noch gedacht. Außer dieser Konferenz gibt es hier zur Modewoche doch wirklich nichts Aufregendes oder Innovatives zu sehen, zumindest für einen, der gerade von den Pariser Haute-Couture-Schauen kommt. Aber Tim Blanks sollte mich eines Besseren belehren.

Montag, 6. Juli 2015

Der grillende Mann

EINE UTOPIE

Wenn der Sommer Deutschland erreicht, die Nation in wohliger Trägheit vor sich hindämmert, wenn staubige Stille über dem Asphalt schwebt, unterbrochen von fernem Freibadkindergeschrei und Zikaden, die in der abendlichen Hitzeglut umherschwirren, wenn man mit Schweißperlen auf der Stirn und lauwarmer Zitronenlimonade im Glas auf dem Balkon dahinschmilzt, und einem dieser Geruch nach verkohlten Würstchen in die sonnenverbrannte Nase steigt, wird es Zeit, über eines der letzten Rätsel der Gleichberechtigungsdebatte nachzudenken: Den grillenden Mann. 

Dienstag, 30. Juni 2015

Eine Sonnenbrille in Berlin

ÜBERHEBLICHKEIT IST IHR BUSINESS

Meine Geschichte beginnt im Alten Rom. Rom liegt in Italien, da ist es sonnig und hell. Kaiser Nero ließ damals leidenschaftlich gern Gladiatorenkämpfe aufführen. Aber in diesen offenen römischen Sportstadien gab es wenig Schatten, und die Sonne blendete Nero. Also hielt er sich beim Verfolgen der Spiele grüne Smaragdsteine vor die Augen. So wurde ich geboren. 

2000 Jahre später sind wir Sonnenbrillen auf der ganzen Welt verbreitet, nicht nur im Sonnenland Italien. In Großstädten wie Berlin gedeihen wir ganz kräftig, selbst wenn Deutschland oft im Dämmerlicht liegt, sogar im Sommer. Irgendwie regnet es hier die ganze Zeit, dann ist es mal drei Tage heiß und schwül, meine Gläser beschlagen, und schon fängt es wieder an zu regnen. Aber weil Berlin ja eine so todschicke Stadt ist, tragen die Leute hier lieber Sonnenbrillen statt Regenjacken, selbst wenn es donnert und hagelt. Eine Sonnenbrille ist halt cool, eine Regenjacke nicht. Sorry, wir Sonnenbrillen sind nicht gerade bescheiden. Überheblichkeit ist unser Business.