Sonntag, 25. Januar 2015

Schönheit, literweise

MUSS MAN DENN WIRKLICH SO VIEL WASSER TRINKEN?
Vieles spricht dafür, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft sehr hässlich sein werde. Jeden Morgen wache ich auf und denke: jetzt ist es soweit. Dann schaue ich in den Spiegel und bin vergleichsweise angenehm überrascht. Aber sie kommt, die Hässlichkeit. Dafür gibt es einen simplen Grund: ich trinke zu wenig Wasser. Mit diesem Laster bin ich in schlechter Gesellschaft, denn sämtliche Supermodels, Schauspielerinnen, Sängerinnen, Designerinnen und unterforderten It-Girls schwören auf das Schönheits-Elixier aus dem Hahn.

"I try to take care of myself, drinking at least one gallon of water a day", beteuert Beyoncé.* "I drink three liters of water a day", erklärt Elle "The Body" McPherson ihre formidable Erscheinung. Auch Karlie Kloss ist sich sicher, ohne "Water! Gallons of water!" hätte sie es nie auf die Laufstege von Lanvin und Dior geschafft. "Drink water, stay hydrated and sleep. It's so boring, yet so simple", schließt sich Jennifer Aniston an, und damit scheint eindeutig: wer nicht trinkt, dem droht Verfall.  

Montag, 19. Januar 2015

"Dressing well always puts a smile on my face"

TALKING CLOTHES WITH NEW YORK STYLE ICON TZIPORAH SALAMON
© Ari Seth Cohen
Die Mode, die dieser Tage über die Laufstege läuft, sieht nicht aus wie für alte Damen gemacht. Alles wirkt so jugendlich und frisch, die geschlitzten Röcke, die bunten Sneaker, die entblößten Schultern, die Plateausandalen. Ebenso gelten schließlich auch nur junge Menschen als avantgardistisch, ältere Herrschaften dagegen als zurückhaltend beigefarben. "Wieso ziehen sich nicht alle Seniorinnen an wie Sie?", fragte ich die aufregendste Stilikone, die mir in meinem Leben je begegnet ist, beim Treffen im New Yorker Kaufhaus Bergdorf Goodman. Mit Tziporah Salamon, 64 Jahre alt und springlebendig wie ein Flummi auf Koffein, hatte ich mich im 7. Stock zum Teetrinken verabredet. Wir saßen an einem Tisch direkt am Fenster und schauten über den Central Park. Tziporah trug ein rot-blau-gestreiftes Wollmützchen, einen viktorianischen Spitzenkragen, ein dunkelblaues Comme-des-Garçons-Top mit gewellten Säumen, dunkelgraue Culottes, weiße Söckchen und schwarz-weiße Budapester mit Fransen. "Honey", sagte sie und lächelte freundlich. "I don't understand your question. So many young people out there don't know how to dress well. It's not a matter of age. It's all a matter of attitude." 

Donnerstag, 15. Januar 2015

Die zerrissene Frau

JOHN GALLIANO DEBÜTIERT BEI MAISON MARTIN MARGIELA
Diese Kleider sehen aus wie für eine Frau gemacht, die sich nicht entscheiden kann, wer sie sein will. Eine wilde Frau? Eine romantische Frau? Die Göttin der Finsternis? Die Amazonin des Großstadtdschungels? John Galliano liebt sie alle, die Frauen - solange sie echt sind. "I don't love dolls", hat der britische Modeschöpfer einmal gesagt. "I love women. I love their bodies." Oder: "I am an accomplice to get women what they want." Oder, sehr schön: "The problem is with men. I know I shouldn't say this, but they've shrouded and hidden women to hide their incompetence." John Galliano ist bekannt dafür, Sachen zu sagen, die er besser nicht gesagt hätte. 2011 flog er wegen antisemitischer Äußerungen unter Alkoholeinfluss bei Christian Dior raus. Jetzt ist er wieder da: zum Auftakt der neuen Modesaison, eingeläutet von der Haute Couture, zeigte er am Montag eine 24-teilige Kollektion von eben jener finster-fantasievollen Surrealität, mit der er vor ein paar Jahren schon bei Dior Kleider Geschichten erzählen ließ. 

Montag, 12. Januar 2015

Clairette rennt

ÜBER DIE FREUDEN DES FRÜHSPORTS 

Das Leben steckt voller komplizierter Entscheidungen. Mit der schwierigsten von allen werden wir jeden Morgen konfrontiert: aufstehen oder liegen bleiben? Dabei scheint sich seit Urzeiten bei vielen Menschen eine deutliche Vorliebe fürs Liegenbleiben durchgesetzt zu haben. Zeitiges Aufstehen ist schließlich meist auch mit Frühsport  verbunden - für viele Leute gerade im Winter eine ganz schauderhafte Vorstellung. Ist das schrecklich, wenn der Wecker klingelt, bis zum Sonnenaufgang sind es noch eineinhalb Stunden, außerdem regnet es! Und da soll man aufstehen? Nein danke. Lieber nach dem Snooze-Knopf tasten, umdrehen, weiterschlummern. Diese Prozedur wiederholt sich über einen Zeitraum von 48 Minuten, bis wir verzweifelt feststellen, dass der Büroalltag in 34 Minuten beginnt und wir noch immer mit nicht viel mehr als einer Bettdecke bekleidet sind. 

Mittwoch, 7. Januar 2015

Ich bin's

WANN IST EIGENTLICH DAS TELEFONIEREN AUSGESTORBEN?

Silvester muss eine Höllennacht für die Telefongesellschaften gewesen sein. Ich habe ja keine Ahnung von elektrischen Leitungen und derlei Zauberei, aber ich stelle mir vor, wie sie bei 02 und Vodafon und Telekom und wie sie alle heißen ordentlich ins Schwitzen kommen, wenn zum Jahreswechsel um Punkt 12 Uhr Mitternacht die ganze Republik auf der Stelle simultan damit anfängt, Nachrichten durch das Land zu schicken. "Frohet neuet", schreibt man sich da, versendet elektronische Kleeblätter und Herzen mit Pfeilen und Urknall-Emojis. An Silvester erlebt das beliebteste Hobby unseres Jahrhunderts höchste Konjunktur: Simsen. Whatsappen. iMessagen. FacebookMessengern. Mit Leuten kommunizieren war noch nie so einfach wie heute. Irgendwo anrufen - wie umständlich! - muss keiner mehr. Und doch scheint die omnipräsente Kurzmitteilung bei übermäßigem Genuss mehr Fluch als Segen zu bringen.