Samstag, 29. August 2015

Das Post-Urlaubs-Survival-Kit

ALLES HAT EIN ENDE. LEIDER AUCH DER URLAUB. 
Abschiede sind schrecklich. Ich habe schon als Kind furchtbar darunter gelitten. Der Tag Anfang Januar, an dem wir den Weihnachtsbaum verabschiedeten, bedeutete für mich das kalte Grauen. Dass Weihnachten eines Tages wiederkommen würde, wusste man allerdings. Aber wann würde man wohl das nächste Mal Götterspeise essen dürfen, bei uns zuhause eine Seltenheit? Den letzten Rest Waldmeisterpudding im Becher verabschieden zu müssen – herzzerreißend, selbst wenn er im eigenen Schlund verschwand. Überhaupt, der Abschied von einem großartigen Abendessen, der letzte Haps Schokoladenfondant, der letzte Schluck Espresso, die allerletzte Praline...ein Schmerz ohnegleichen. Und dabei doch so vorhersehbar, wie alle Abschiede! 

Ein Abschied ist immer auch ein kleiner Tod. In diesem Sinne bereitet uns das Leben ständig auf das Sterben vor: indem es uns immer wieder vor Augen führt, dass alles, die banalen wie die schönen Dinge, ein Ende haben. Urlaub zum Beispiel. 

Donnerstag, 20. August 2015

Werdet schrulliger!

DER PULLUNDER HAT EUCH WAS WICHTIGES MITZUTEILEN
In meinem Jahrgang gab es einen Jungen namens Fridolin*. Fridolin war einer von diesen Jungs, die in amerikanischen High-School-Filmen immer den Anführer des Baseball-Teams spielen und die schönste und blondeste Cheerleaderin der Schule zur Freundin haben. Fridolin spielte Hockey, er war Schulsprecher, er war groß, gutaussehend, gut gebaut und sehr nett. Es gab nur eine Sache, die an Fridolin irgendwie komisch war: Er trug manchmal einen rosa Pullunder. Damit fiel er aus seiner Schönlings-Rolle. Dieser Pullunder machte ihn, trotz aller massentauglichen Sympathie, zu einer schrulligen Figur. Es wurde getuschelt, seine Mutter würde ihm morgens die Kleidung rauslegen und sei somit auch für den rosa Pullunder verantwortlich. Wahrscheinlich ein Gerücht. Ich würde Fridolin gerne mal anrufen und ihn fragen: "Fridolin, warum dieser Pullunder?" Aber jetzt ist er gerade auf Zugfahrt durch die Mongolei, da erreiche ich ihn leider nicht. 

Sonntag, 16. August 2015

Wo ist Whitney?

ICH HÖRE NUR NOCH ALTE MUSIK. VERPASSE ICH WAS? 
Es kommt vor, dass ich mich alt fühle. Ich weiß, 21 ist kein Alter. Aber irgendwie habe ich ständig den Eindruck, dass um mich herum alle irgendwas total Jugendliches machen, während ich zur zeternden Omi geworden bin, die sich bei ihrem Gemüseverkäufer über die Marotten der jungen Leute beklagt. Ich gehe nicht feiern, ich trage keine Hotpants, ich rauche nicht, ich habe noch nie Drogen genommen. Lieber bügle ich meine Jeans, lese die Zeitung, gehe auf den Wochenmarkt und trinke abends auf dem Balkon Campari Orange. Es fehlt nur noch, dass ich den Sonntagnachmittag auf einer Parkbank verbringe und Passanten anquatsche. Letzten Freitagabend habe ich Tomatenchutney gekocht, während die meisten anderen Berliner meiner Generation wahrscheinlich gerade im Berghain Pillen einwarfen und zu einer Musik tanzten, deren Sinn und Inhalt ich nicht verstehe. 

Montag, 10. August 2015

Schwitzen für Fortgeschrittene

DIE ELEGANTE LÖSUNG GEGEN DIE HITZE: DER KAFTAN
Dass wir Mitteleuropäer im Sommer modisch überfordert sind, ist ganz verständlich. Die Hitze ist hier schließlich ein immer wieder überraschendes Ereignis. Sommer in Deutschland, unglaublich! Die Tageszeitungen berichten von der plötzlichen Mediterranisierung der Innenstädte. Die sonst so aufgeräumte, hübsch begrünte Metropole verwandelt sich in eine dampfende Steinwüste. Die Mitteleuropäerin erreicht einen für sie ungewohnten Aggregatzustand: Sie schwitzt. Darauf war sie nicht vorbereitet. In aller Not greift sie zu den jetzt viel zu heiß gewordenen langen Jeans und schneidet kurzerhand die Beine ab. Puh! So ist's besser. Dass es sich bei Hotpants um ein reines Anti-Hitze-Provisorium handelt, erkennt man schon an den offenen Nähten und Fransen. Ähnlich beim Mann, der zu multifunktionalen Cargo-Hosen greift. Die lassen sich dank Horizontalzipp schwuppdiwupp in Bermuda-Shorts verwandeln. Auch das hat etwas Behelfsmäßiges. Schön ist es jedenfalls nicht.

Dienstag, 4. August 2015

Leicht gepackt ist weit gereist

ENDLICH GELERNT: DIE KUNST DES KOFFERPACKENS
Was passiert, wenn man mit zu viel Gepäck reist? 

Man wird geköpft. 

Kein Witz! Es gibt für diese Theorie ein berühmtes historisches Beispiel: Marie Antoinette. Ich habe im Urlaub ihre Biografie gelesen, deshalb weiß ich das gerade. Im Sommer 1791 floh die Königsfamilie aus Paris vor dem Volksaufstand. Aber die Monarchen waren verwöhnt. Mit Rucksack zu türmen kam natürlich nicht in Frage. Eine neue, luxuriöse Kutsche musste her, eigens für die Reise gezimmert. Der Biograf Stefan Zweig bezeichnet das Ding als "ein kleines Kriegsschiff auf Rädern, das für alle erdenklichen Bequemlichkeiten Platz haben muß, silbernes Tafelgeschirr, Garderobe, Mundvorrat. Ein ganzer Weinkeller wird eingebaut und verstaut." Kein Wunder, dass der Fluchtversuch nicht unbemerkt blieb. Nach zwei Tagen wurden die französischen Royals mitsamt ihres mobilen Kleiderschranks vom aufgebrachten Volk zurück nach Paris gedrängt, wo sie wenig später unter die Guillotine kamen. Wären die mal lieber mit Handgepäck gereist.