Mittwoch, 23. Juli 2014

Wie wär's mit einem Taucheranzug?

DIE MODISCHE ANTWORT AUF DIE SOMMERHITZE

Sobald die Temperaturen über 30 Grad steigen, fängt mein Kopf an zu dampfen und ich komme auf lustige Ideen. Heute zum Beispiel: was haben Bond Girls und das Sams gemeinsam? Richtig, den Taucheranzug. Claudine Auger trug ihn 1965 in Nassau anlässlich der 007-Folge Feuerball, und auch wenn es schlussendlich Halle Berry (Stirb an einem anderen Tag) gewesen sein muss, die sich im orangefarbenen Bikini mit integriertem Messergürtel für alle Zeiten den Titel der Sexiest Badenixe Alive sicherte,  wollen wir auch dem Taucheranzug an dieser Stelle endlich einmal den gebührenden Tribut zollen.

Meiner Ansicht nach wird dieses Kleidungsstück grundlegend unterschätzt. Im Alltag der emanzipierten Frau des 21. Jahrhunderts kommt der Neopren-Strampler nicht vor, und das ist tatsächlich merkwürdig, wenn man bedenkt, dass es noch jeder andere einst als faux pas und völlig verboten bezeichnete Zwirn - von der Fetzenjeans über die Adilette bis zum Sport-BH - auch irgendwann mal auf's internationale Parkett der Modewelt geschafft hat. Warum nicht der Taucheranzug?

Samstag, 19. Juli 2014

Musikrubrik #33: Cocktail-Spezial

MIT HEISSEN TIPPS VOM DATING-GURU CLAIRETTE 


Vor einem Jahr saß ich in Beirut auf einer Dachterrasse und ließ mich von einem Libanesen zum Drink einladen. Monsieur hatte mich ein paar Stunden zuvor im Café auf ziemlich direkte Art und Weise zum Rendezvous gebeten. So sind die Araber, fahren immer gleich schweres Geschoss auf, und zwar ohne Umwege. Ich will mit dieser Geschichte gar nicht angeben - es gibt ja Frauen, die ihre Knutschflecken wie das Bundesverdienstkreuz durch die Gegend tragen, da gehöre ich definitiv nicht dazu. Quasi im Vorbeigehen nach einem Date gefragt zu werden passiert mir sonst nie, was erstens an meiner von meinen Freundinnen diagnostizierten frostigen Ausstrahlung gegenüber der Männerwelt und zweitens den selbst ebenso frostigen deutschen Männern liegen muss.

Auf besagter Dachterrasse genoss ich nun also endlich einmal die Gesellschaft eines vollblütigen Südländers und wollte ob der Exklusivität dieser Situation folglich alles richtig machen. "Was willst Du trinken?", fragte er und plötzlich fiel mir siedend heiß wieder ein, warum ich eigentlich kein Fan von Rendezvous bin: ich weiß nie, was ich zu trinken bestellen soll, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Wahl eines uncoolen Cocktails einen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf des Abends haben kann.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Von wegen bodenständig

SNEAKER SIND DIE NEUEN BRILLANTEN

Meine Literaturdozentin ist keine modische Frau. Hilfe, nicht gleich schreien! Ich will das gar nicht verurteilen. Ich habe Respekt vor Leuten, die mit Mode nichts am Hut haben und beneide sie um die zehn Minuten, die sie morgens länger schlafen können, während ich halbnackt vor dem Kleiderschrank herumhüpfe und nicht weiß, was ich anziehen soll. Um die hunderte von Euros, die sie sparen und für sinnvolle Sachen wie Hollywoodschaukeln, elektrische Pfeffermühlen und Bayern-München-Dauerkarten ausgeben können, während ich mich bei Net A Porter in den Ruin kaufe. Super! Mein Hund Vitus interessiert sich übrigens auch nicht für Mode und trotzdem sind wir beste Freunde, nur so nebenbei, falls mir jemand nicht glauben will.

Wo waren wir stehen geblieben?

Sonntag, 13. Juli 2014

Guten Tag Berlin

WO UNSERE MODESTADT WIRKLICH MODISCH IST? AUF DER STRAßE NATÜRLICH
Søren Jepsen für Style.com
Diese Saison habe ich die Berliner Modewoche geschwänzt. Ich bin abgehauen nach Italien, an den Lago di Garda, um meine Schwimmhäute zu pflegen, viel gelato zu essen und die Lektüre von gefühlt dreißig Büchern nachzuholen, die ich schon im April fürs Studium hätte gelesen haben sollen. Denn so schön der Heimaturlaub in Berlin sein kann, gelegentlich muss man doch auch mal raus aus dem Trubel und das Weite suchen, selbst wenn der Zeitpunkt der Fashion Week dafür denkbar ungünstig erscheint.

Tatsächlich habe ich die Abstinenz vom großen Klassentreffen der Berliner Modewelt als sehr erfrischend empfunden. Denn manchmal sorgt die (Rück-)Sicht von außen für ganz spannende Erkenntnisse. In den letzten Jahren bin ich im Dauerlauf der Fashion Week von Schau zu Schau gehetzt und hatte in der Regel am dritten Tag schon keine Lust mehr auf das ganze Spektakel. Es fehlten die Highlights, die zauberhaften Modemomente, die bahnbrechenden Neuigkeiten und modischen Provokationen. Die vielzitierte Tragbarkeit, Lässigkeit und Geradlinigkeit des Berliner Stils beschrieb ich als langweilig, wenn nicht sogar gefährlich, schließlich sei der Blick zurück der Tod der Mode, sie müsse sich vorwärts entwickeln. Die Ideen der Berliner Designer würden bloß jede Saison mit kaum veränderter Rezeptur neu aufgewärmt werden, es gäbe kaum Überraschungen, viel Schlichtes, wenn nicht sogar Spießiges - kurzum: Berlin sei leider keine Stadt, die modische Revolutionen in Gang setzen könne. Jede Saison das gleiche Gejammer.

Montag, 7. Juli 2014

Sommer vorm Balkon

ÜBER DIE KUNST DES HEIMATURLAUBS
© Stephanie Pfaender


Kann man vor der eigenen Haustür Urlaub machen? Einige Leute sagen: nein. Urlaub bedeute Tapetenwechsel, sagen sie, zuhause guckt einen nur die liegengebliebene Arbeit an. Außerdem jammern sie, in diesem Land regne es ja immer, aber wenn es nicht gerade regnet, dann ist es zu schwül und dann jammern sie auch. Ich stimme zu: verreisen ist toll, ich könnte mich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigen. Allerdings bin ich ebenso einverstanden mit Marcel Proust, der mal gesagt hat, dass die wirkliche Entdeckungsreise nicht das Erforschen neuer Landschaften sei, sondern die neue Sicht auf alte Dinge. Ganz meine Meinung. Heimaturlaub wird grundlegend unterschätzt, weil es tatsächlich einfacher ist, einen Flug auf die Fidschi-Inseln zu buchen als in der eigenen Stadt neue Wege zu erkunden. Neulich war ich zum Beispiel zum ersten Mal in einer Pizzeria, die keine drei Meter von meiner Wohnung entfernt liegt, in der ich wiederum seit Studienbeginn wohne. Was für eine Entdeckung: die Pizza war so knusprig wie in Italien und der nette Kellner, der mich bediente, sprach kein Deutsch. Berlin war plötzlich ganz weit weg.