Montag, 15. September 2014

Anziehen für die Modewoche

FUNKTIONIERT AM BESTEN OHNE SPIEGEL. ECHT JETZT


Obwohl oder wahrscheinlich gerade weil ich nicht berühmt bin, kommen mir neuerdings immer wieder Gerüchte zu Ohren, die über mich angeblich im Umlauf sein sollen. Wäre ich richtig berühmt und wichtig, so wie Sarah Brandner oder Joko & Klaas, dann würde wahrscheinlich ständig ein Paparazzi-Schwarm vor meiner Haustür campieren und auf ein Beweisfoto meiner morgendlichen Ungeschminktheit hoffen. Weil sich ob meiner Unberühmtheit allerdings kein Mensch für die Dokumentation meiner Augenringe interessiert, kann auch keiner mit Sicherheit sagen, wie mein Gesicht am Morgen aussieht. Wo kein Beweismaterial, da kein Beweis. So entstehen Gerüchte. 

Samstag, 13. September 2014

Mächtig angezogen

VON MÄNNERN, FRAUEN UND ANZÜGEN
Calvin Klein S/S 2015
"The suit has always been about power", schrieb Cameron Wolf neulich in einem Artikel auf Business of Fashion. Es ging um Herrenanzüge und die erotische Strahlkraft der aktuell so figurbetont wie möglich geschnittenen Jacketts und Hosen. Das Macht-Konzept des männlichen Anzugs ist nicht neu. Warum sonst sind Unternehmensberater, Immobilienmakler und Börsenhändler seit Jahrzehnten in dunkelblauen Sakkos unterwegs? Ein Anzug lenkt nicht vom Thema ab, er konzentriert sich auf das Wesentliche wie die Börsennachrichten vor der Tagesschau: dem Mann beim Erhalt seiner Macht in diskretester Form zur Seite zu stehen. Doch Männer in Anzügen sehen heute nicht nur mächtig aus, sie versprühen auch noch, und das ist neu, maskuline Attraktivität. 

So kreativ die Damenmode auch sein mag - da kann sie nicht mithalten. Ein Cocktailkleid kann ganz reizend aussehen, aber würde man es je als powerful bezeichnen? Wohl kaum. Macht ist kein Begriff, den man mit Damenbekleidung in Verbindung bringt.  Damenmode wird gemacht, um Frauen zu schmücken, deshalb ändert sie sich auch alle drei Monate, genau wie die saisonal dekorierten Schaufenster der Kaufhäuser. Männermode hat dagegen weitaus weniger Ambition zum Dekor - das haben wir hier schon festgestellt. Eine Frau in einem pinkfarbenen Kleid kann eine Augenweide sein. Ein Mann in einem pinkfarbenen Anzug ist kein Mann, sondern ein wandelnder Kaugummiautomat. Männer wollen mit Mode Macht demonstrieren, was im Klartext wiederum bedeutet, dass sich Frauen wie Männer anziehen müssen, wenn sie in unser männerdominierten Welt beruflich ganz nach oben wollen. Macht Sinn, oder? 

Mittwoch, 10. September 2014

Endlich mal kein Minimalismus

STATTDESSEN: ÜBERIRDISCHE KLEIDER BEI RODARTE UND MARC BY MARC JACOBS


Modewoche - warum tut man sich das eigentlich an? Sieben Tage lang Kleider schauen, als würde die Welt nur noch aus Seide und Kaschmirwolle bestehen. Man liest keine Zeitung mehr, sondern die Laufstegberichte auf Style.com. Während Obama überlegt, wie sich die ISIS am besten bekämpfen lasse, laufen in New York Models in Culottes und Midikleidern über den Runway. Und gerade dann, wenn einem auffällt, dass auch in der nordamerikanischen Weltstadt nicht jede Kollektion aus Elfenbein geschnitzt ist, fängt man an sich zu fragen, warum man eigentlich zu all den Schauen rennt, bloß um bei vielen Designern dasselbe Einerlei zu sehen. Das klingt jetzt ganz schön schlecht gelaunt, ist es aber gar nicht: ich genieße die Modewoche in vollen Zügen, bin froh, dass ich über Kleider und nicht über militärische Luftangriffe schreiben darf, und notiere zugleich doch eine subtile Stagnation in der Mode, die hier in New York primär auf Geschäftstauglichkeit, weniger auf Kreativität fokussiert zu sein scheint. Das zeigte sich vor allem in der ersten Hälfte der Woche, in der sich einzig Alexander Wang als Retter der amerikanischen Sportlichkeit bewies (nachzulesen hier). 

Dienstag, 9. September 2014

Kleider mit Geschichte

"SECOND HAND" IST DAS HEILMITTEL DER MODEWELT 
© Stephanie Pfaender

Manchmal sieht man den Schrank vor lauter Kleidern nicht. So geschehen neulich, bei der herrlich angeheizten Diskussion zum Thema Modekonsum: kaufen wir zu viel ein? Warum kaufen wir, was wir kaufen? Wieso kaufen wir alle das Gleiche? Sind wir am Ende alle gekauft? Vermeintliche "Ökofaschisten" (nicht meine Wortschöpfung) kämpften gegen Konsumlustige, und sogar eine Philosophin meldete sich zu Wort. Amazing! Genau diesen Austausch wünsche ich mir auf C'est Clairette, dafür habe ich dieses Blog ins Leben gerufen: Menschen zum Nachdenken über Mode, Modeerscheinungen und den tieferen Sinn dahinter anzuregen. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten gleich ein paar dieser eifrigen Kommentatoren als Co-Autoren einstellen. Momentan ist das hier aber noch ein Ein-Personen-Büro und ich selbst mit der Koordination meiner eigenen Gedanken mitunter schon völlig überfordert. 

Sonntag, 7. September 2014

Schlagzeilen aus New York

HEUTE FRISCH AUF FAZ.NET

Woher ich im Big Apple noch die Energie zum Schreiben nähme, fragte unter dem vorletzten Beitrag Kommentator Philipp. Ganz einfach: New York ist die Stadt der Workaholics, und selbst wenn ich nur vier Monate hier bin und wahrscheinlich ganz legitim jeden Abend bis in die Puppen tanzen gehen könnte, lasse ich mich vom arbeitssamen Ethos der New Yorker gerne anstecken. Hier geht man aus und arbeitet DANACH noch unter heiterem Alkoholeinfluss. Oder am nächsten Morgen mit erhöhter Kaffeedosis. Das funktioniert tatsächlich, so elektrisierend wie diese Stadt ist. Und schlafen kann ich schließlich immer noch, wenn ich wieder in Berlin bin, wo auch unter der Woche viele Leute nicht vor 10 Uhr aus ihren Löchern kriechen.

Zum Anlass der gerade angelaufenen New York Fashion Week habe ich mich zudem wieder mit meinem liebsten Arbeitgeber zusammen getan und verkünde heute mit großer Freude, dass gerade meine ersten Schlagzeilen von der Modewoche auf FAZ.net veröffentlicht wurden. Zum Rückblick auf die ersten Tage der Fashion Week geht es hier entlang. Darauf stoße ich mit einer großen Tasse Kaffee an und mache mich gleich auf den Weg zu den nächsten Schauen - Fortsetzung folgt!