Donnerstag, 28. Mai 2015

Nippel nach vorn

WEIL WIR DOCH SOWIESO ALLE NACKT IN UNSEREN KLEIDERN STECKEN
Gigi Hadid im aktuellen CR Fashion Book
Wie die Leute in den Siebziger Jahren ausgesehen haben, das kann man heutzutage ganz einfach beim Besuch einer Zara-Filiale erfahren. Schlaghosen, Plateau-Sandalen, Lederwesten mit Fransen, Blusen mit Schnüren, Miniröcke mit Knöpfen - so war das also, in den wilden Siebzigern. Nur um eines machen sie in diesem aufgewärmten Seventies-Sommer sogar bei Zara einen großen Bogen: den berüchtigten Nipple Bra. Der BH mit aufgesetzten Fake-Brustwarzen kam um 1970 als Sensation auf den Markt: 

"Our exclusive braless-look-bra is the very first bra to have its own built-in nipple. Imagine having that sensual cold weather look all the time. It's so sexy, it'll give your shape a whole new eye-opening dimension."

Montag, 25. Mai 2015

Eingraben und Abschalten

VON KINDERN LERNEN: WIE MAN RICHTIG URLAUB MACHT
In diesem Sommer wird ein verloren geglaubtes Relikt urtümlicher Strandbeschäftigungen seine Wiedergeburt erleben: das gegenseitige Im-Sand-Einbuddeln. Schuld ist Valentino. Das italienische Modehaus zeigt in seiner aktuellen Werbekampagne drei zwischen Seesternen im Sand eingegrabene Grazien. Sie tun nichts, außer in die Gegend zu schauen. Wir haben es hier mit einer Art kollektivem Geheimem Single-Verhalten (GSV) zu tun, einer Ferien-Variante der Gruppentherapie.  Für die Anzeige einer Luxusfirma mag solch ein Anblick originell sein. Aber wer hat's erfunden? 

Mittwoch, 20. Mai 2015

Ich packe meinen Koffer

FÜNF REISETYPEN, FÜNF REISEGARDEROBEN
Vor ein paar Jahren fuhren wir in den Sommerferien nach Südtirol. Der Ort, in dem wir logierten, nannte sich Schenna und lag oberhalb von Meran, eingerahmt von grünen Apfelplantagen und gezackten Berggipfeln. Freunde meiner Eltern hatten uns ein Hotel namens Schwefelbad empfohlen. Verdächtiger Name, gell? Die Webseite des Hotels zeigte "Impressionen" von dunkelhaarigen Frauen, die auf Bettkanten herumfläzten, Pärchen in weißen Bademänteln, die am Swimming Pool mit Aperol Spritz anstießen und Panoramaansichten teppichverkleideter Hochzeitssuiten. In Südtirol sehen viele Hotelfotos so aus, man muss da nicht gleich misstrauisch werden. In der Regel handelt es sich um freundliche Etablissements mit wirklich guten Frühstücksbüfetts. Wir ließen uns darauf ein. 

Montag, 18. Mai 2015

Der Mann und die weiße Hose

WO LIEGT DA EIGENTLICH GENAU DAS PROBLEM? 
Bald ist Sommer und Mann hat schon wieder nichts zum Anziehen. Es ist jedes Jahr der gleiche Streit darüber, was Männer bei Temperaturen über 20 Grad denn nun tragen dürfen und was nicht. Das liegt keinesfalls daran, dass sich in der Herrenmode nichts tut. Ganz im Gegenteil: ich bin jetzt schon gespannt wie ein Flitzebogen, was bei den anstehenden Männermodenschauen in London und Mailand wohl wieder an geblümten Hemden, gemusterten Doppelreihern und knöchellangen Punkmänteln über die Laufstege laufen wird. Aber das Problem ist, dass sich viele Männer mit der Mode eben immer noch ziemlich schwer tun. Die meisten Herren, die ich so kenne, interessieren sich nicht für Trends. Sie begeistern sich nicht für J.W. Anderson und lassen sich von keinem Raf Simons auf der Welt vorschreiben, was sie anzuziehen haben. Wenn es um Kleidung geht, sind Männer weitaus skeptischer als wir zu modischer Hysterie - "Hast Du die neuen Mules von Sophia Webster gesehen? Die MUSS ich haben!" - geneigten Frauen.  

Montag, 11. Mai 2015

Kann mal einer die Musik ausmachen?

JEDE GESELLSCHAFT BRAUCHT EIN PAAR SPAßBREMSEN 
Ich habe in Berlin etwas beobachtet, das mir zunehmend auf den Geist geht. Ich bin eine Wutbürgerin, deshalb muss ich das hier artikulieren. Wahrscheinlich bin ich auch eine Spießbürgerin, was in diesem speziellen Fall zusätzlich von Bedeutung ist. Meine Beobachtung machte ich mehr als dreimal, three's a trend heißt es, offiziell haben wir es hier also mit einer Modeerscheinung zu tun. Die sind prinzipiell im Auge zu behalten, da alles, was Mode ist, die potenzielle Gefahr der Massenverbreitung birgt. Das wäre bei ausgerechnet diesem Trend besonders zu bedauern: neuerdings begegnen mir ständig Radfahrer und Dauerläufer mit tragbaren Musiklautsprechern. Bike Bass heißen die, früher nannte man sowas Ghettoblaster. Lärm für unterwegs ist also keine neue Erfindung, neu ist bloß, dass diese mobilen Lautsprecher mittlerweile so klein und handlich geworden sind, dass man sie praktisch überall mit hinnehmen kann. Dagegen scheinen Kopfhörer, die man in seinen MP3-Player reinsteckt, total uncool geworden zu sein.